Funktionstherapie

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

In Deutschland leiden viele Menschen an den Folgen so genannter Parafunktionen. Dies sind vom Normalzustand abweichende Überfunktionen der Kaumuskulatur wie das Zähneknirschen, das Kieferpressen oder das Zungenpressen. Zurückzuführen sind die meisten Parafunktionen auf einen falschen Biss, meist kombiniert mit einer psychischen Komponente wie z.B. Stress. Der Überbegriff für diese Funktionsstörung des Kauorgans ist die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD).
Den meisten Betroffenen ist weder bekannt, dass sie unter einer craniomandibulären Dysfunktion leiden, noch dass diese für viele Folgeprobleme verantwortlich ist, deren Ursache meist nicht im Zahnbereich gesucht wird.

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Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Eine CMD liegt vor, wenn die Kauflächen der Zähne nicht richtig verzahnt sind, wenn die Balance zwischen Kiefergelenk, Zahnhalteapparat, Zähnen und Muskulatur gestört ist. Bei entsprechender Veranlagung führt dies zu einer Kettenreaktion. Über die sensiblen Nervenbahnen werden Signale von Kiefergelenken, -muskulatur und Zähnen an das zentrale Nervensystem weitergeleitet und bewirken dann unterschiedliche neurophysiologischen Reaktionen wie z.B. Migräne, Kopfschmerzen, Nackenverspannungen, Halswirbelblockaden, Schwindel oder Tinnitus. Studien zufolge haben bis zu 40% der Deutschen chronische Schmerzen wegen einer Fehlstellung ihres Bisses.
Die direkten Auswirkungen der Parafunktionen sind Schädigungen der Zahnhartsubstanz durch Abrasion (Abrieb) im Bereich der Schneidekanten und der Kaufläche, Defekte der Zahnhälse sowie Erkrankungen des Zahnhalteapparates (funktionell bedingte Parodontitis) und der Kiefergelenke.

Symptome

Die häufigsten Symptome beim Vorliegen einer CMD sind Verspannungen oder Schmerzen der Schulter- und Nackenmuskulatur. Fehlstellungen der Wirbelsäule,
Beckenschiefstand oder einseitig verkürzte Beine gehören ebenfalls zu häufigen Symptomen ausgehend von muskulären und skelettalen Beteiligungen.
Tinnitus, Ohrgeräusche oder Schwindel sind aufgrund der direkten Nachbarschaft von Ohr (mit limbischem System / Gleichgewichtsorgan) und Kiefergelenk in fast 50% der Fälle auf Funktionsstörungen des Kiefergelenks zurückzuführen.
Eine Trigeminus Neuralgie oder Migräne ist häufig eine “Verlegenheitsdiagnose“ wenn keine eindeutige Zuordnung der Probleme durch andere Ärzte erfolgen kann. Die eigentliche Ursache kann jedoch im Vorliegen einer CMD liegen.
So genannte Spannungskopfschmerzen sind typisch für eine CMD, da der angespannte Muskel (vor allem der muskulus temporalis (Schläfenmuskel) einen Druck auf den Schädelknochen ausübt und so zu einem Druckgefühl führt das als Kopfschmerz bekannt ist.
Knack- und Reibegeräusche der Kiefergelenke, die nicht mal schmerzhaft sein müssen, sind auch Anzeichen für eine CMD.
Häufig auf falsche Zähneputzen zurückgeführte Zahnhalsdefekte die zu überempfindlichen Zähnen führen, sind ebenfalls Auswirkungen von Fehlfunktionen (Dysfunktionen) des Kiefergelenks und können nicht durch alleinige Behandlung der Zähne direkt, behoben werden.

Analyse

Mittels der sogenannten instrumentellen Funktionsanalyse wird, die Lage des Oberkiefers zum Schädel und die Lage des Unterkiefers zum Oberkiefer analysiert.
Ebenso können Aufzeichnungen über bestimmte Grenzbewegungen des Unterkiefers wie Mundöffnung und Seitwärtsbewegung angefertigt werden. Dabei werden mechanische oder muskuläre Behinderungen sowie alle weiteren Unregelmäßigkeiten registriert.
Ziel ist es, die ideale Position der Kiefer zu einander zu rekonstruieren und somit die ideale Position der Muskulatur und Gelenke zueinander wieder herzustellen.

Therapie

Nach Umsetzung der ermittelten Daten in ein Spezialgerät (Artikulator), dass die Bewegungen der Kiefer zueinander simuliert, kann analysiert werden, wo Problembereiche liegen.
Dies kann an einem oder mehreren Zähnen liegen, die nach Therapie durch eine Füllung oder Krone nicht mehr Ideal zum Gegenbiss passen. Je größer die Rekonstruktion ist d.h. je mehr Zähne betroffen sind, desto größer ist hierbei auch die Fehlerquote. Kleine Problembereiche können nach Analyse an den Modellen direkt im Mund korrigiert werden (Einschleifen).
Eine kieferorthopädische Behandlung kann ebenfalls als Ursache für ein Ungleichgewicht von Zahnposition zum Kiefergelenk verantwortlich sein. Zu einer ausführlichen Analyse vor und während einer kieferorthopädischen Behandlung wird deshalb immer geraten. Die Korrektur einzelner nicht ideal positionierter Zähne oder wieder aus der Idealposition verschobener Zähne kann meistens auch später vom Kieferorthopäden durchgeführt werden.
Parafunktionen, d.h. unbewusste und überschiessend ablaufende Bewegungsmuster, führen zu Substanzverlust der Zähne und somit dazu, dass sich die Kiefer in der Vertikalen aneinander annähern. Dadurch verändert sich die gesamte Position des Unterkiefers zum Oberkiefer und der Substanzverlust sollte ausgeglichen werden. Dies ist in der Regel nicht mehr ausschließlich durch direkte Behandlungen im Mund möglich.
In vielen Fällen sind die Ursachen jedoch kombiniert und wesentlich komplexer als hier beschrieben. Die Entwicklung erstreckt sich häufig über Jahre. Mit einer kieferorthopädischer Behandlung und kleinen Behanlungen wie z.B. einzelne Füllungen können die ersten Ursachen geschaffen werden, die erst in der Summation zu Problemen führen.
Als erster Therapieschritt erfolgt in der Regel eine reversible also herausnehmbare Kunststoffschiene, die die Diskrepanz der Kiefer zueinander ausgleicht und durch die Auflösung der Verzahnung zu einer Lösung der Verspannung in der Muskulatur führt. Die weitere Abnützung der Zähne wird ebenfalls verhindert. Vor allem muskulär bedingte Symtome sprechen hierauf sehr gut an. Diese Schiene wird je nach Behandlungsfall nur nachts und in extremen Stresssituationen getragen oder auch über einen längeren Zeitraum für 24 Stunden/7 Tage die Woche.
Kombiniert wird die Therapie mit der Okklusionsschiene idealerweise mit einer physiotherapeutischen Behandlung, damit muskuläre Verspannungen besser gelöst werden können und die im Laufe der Zeit noch nachzubessernde Schiene optimiert werden kann, da die Kiefer automatisch in eine von der Muskulatur bestimmte Position gerückt werden. Dies projiziert sich auf die Halswirbelsäule und die beteiligten Muskelgruppen.
Wird durch die herausnehmbare Okklusionsschiene eine Verbesserung der Symptome erreicht, die auf eine Veränderung des Bisses zurückzuführen ist, sollte über die langfristige Korrektur des Bisses nachgedacht werden.
Wird die Situation langfristig und fest umgesetzt, werden Zähne mittels Füllungen, Onlays oder Kronen in die zuvor erarbeitete Position zu einander gesetzt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Patienten, die Probleme mit Craniomandibulärer Dysfunktion haben, wissen dies häufig gar nicht und können das Beschwerdebild in seiner Komplexität gar nicht erfassen. Deshalb sollte die Betrachtung des Patienten mit Weitblick und über den eigenen Fachbereich hinaus erfolgen. Kann der Patient wissen, dass die Ursache seiner Rückenschmerzen im Kiefergelenk zu suchen ist? Genau so wie möglicherweise die Ursache seiner Kopfschmerzen, seines Tinnitus oder seines Schwindelgefühls? Aus diesem Grund ist häufig die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen sinnvoll, da ein einzelner Fachbereich überfordert wäre und nicht die notwendigen Hebel für die komplexe Therapie hätte.
Für die Therapie arbeiten je nach Behandlungsfall folgende Fachbereiche miteinander: Zahnärzte, Kieferorthopäden, Orthopäden, Physiotherapeuten/Osteopathen, Logopäden, Kieferchirurgen, Zahntechniker, HNO-Ärzte, Psychotherapeuten, Neurologen, Schmerztherapeuten, Allgemeinmediziner, Internisten, Heilpraktiker, Homöopathen.

Ergebnis

Beschwerden und Schmerzen lassen aufgrund der Entspannung der Muskulatur nach, Veränderungen der Wirbelsäule können von Orthopäden oder Physiotherapeuten auch nachhaltig behandelt werden. Kopfschmerzen oder Migräne sowie weitere Symptome wie Ohrgeräusche oder Schwindel verbessern sich oder verschwinden im Idealfall ganz.
Neben den funktionellen Verbesserungen, die zu einer Verbesserung der negativen Schmerzsymptome führt, lässt sich durch die richtige Behandlung aber auch optisch einiges ändern. Stark abgeriebene Zähne, die somit zu einem Annähern der Kiefer aneinander führen, rufen eine sehr ausgeprägten Nasolabialfalte und tiefen Falten im Mundwinkelbereich hervor. Das Anheben des Bisses auf die ursprüngliche Höhe ohne Substanzverlust, verändert somit auch das äußere Erscheinungsbild, das harmonisiert wird. Falten werden vermindert, das Aussehen wird jünger und freundlicher.
Langfristig ist die Gefahr einer Arthrose im Kiefergelenk mit Bewegungseinschränkungen und schmerzhaften Bewegungen, die kaum behandelbar sind gebannt.

Für weitere Informationen sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne!

Ihr Praxisteam der Zahnarztpraxis Dr. Thomas & Dr. Nina Jungbluth aus Tutzing